Yoga-Geschichten für Kinder mit Schatzkisten-Dinos und Stinkesocken-Suppe

Yoga-Geschichten für Kinder mit Schatzkisten-Dinos und Stinkesocken-Suppe

Ein Interview mit Nathalie Piller

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Nathalie Piller mit ihrer Tochter

Yogalehrerin und Unternehmerin

Yoga für Kinder – ist das wirklich eine gute Idee? Auf jeden Fall, sagt Yogalehrerin und Unternehmerin Nathalie Piller, denn Kinder üben kein Yoga, sie SIND Yoga. Beobachtung und Nachahmung der Umwelt stellen einen wesentlichen Teil ihres Seins dar. Yoga unterstützt Kinder in ihrem natürlichen Forscherdrang und dabei, ihren eigenen Weg zu gehen. Wie das konkret funktioniert und was genau man sich unter Kinderyoga vorstellen kann, davon berichtet uns Nathalie Piller im Interview.

Liebe Nathalie, was ist das Reizvolle am Kinderyoga? Wie hattest du die Idee, dich in dieser Richtung weiterzubilden?

Nathalie: Als ich zu Hause für mich Asanas praktiziert habe, hat mich meine damals 2-jährige Tochter beobachtet und schnell nachgemacht. Ich sah, dass sie Gefallen daran fand und alles Mögliche ausprobierte. So fing ich an, mit ihr zusammen „Yoga” zu spielen. Ich dachte mir, dass sie das vielleicht in einer Gruppe mit anderen Kindern zusammentun möchte, und da ich in meiner Region kein solches Angebot fand, habe ich selbst begonnen, es anzubieten. Mit ein paar Jahren Erfahrung kann ich nun sagen, dass das Reizvolle am Kinderyoga für mich das kreative Schaffen der Geschichten ist. Zum einen soll die Geschichte spannend für Kinder sein und zum anderen die Yoga-Praxis beinhalten – das heißt, Asana, Pranayama, Meditation und Philosophie kindgerecht zu servieren. Außerdem sind die Kids ein äußerst ehrliches Publikum. Wenn sie etwas doof finden, dann sagen oder zeigen sie es sofort. Es geht also auch darum, dem Raum zu geben, was ist, und die Impulse der Kids in die Geschichte mit einfließen zu lassen. So kann es sein, dass die Geschichte plötzlich ganz anders wird. Vielleicht kommt plötzlich ein Dino aus einer Schatzkiste gesprungen oder wir rühren Stinkesocken in die Suppe. Dies ist natürlich bei meinen YouTube-Videos nicht möglich, was ich sehr bedaure, denn dann wären die Geschichten sicherlich noch viel spannender und lustiger.

Kinder haben ja genauso unterschiedliche und individuelle Charaktere wie Erwachsene. Wie vermittelst du kleinen „Wildfängen“ und „Zappelphilipps“ die beim Yoga „notwendige“ Ruhe?

Nathalie: Erst einmal ist es mir wichtig, den Erwachsenen das Bild zu nehmen, dass die Kinder im Kinderyoga ruhig dasitzen müssen. Kinder werden bereits sehr früh in den Zeit- und Leistungsdruck der Erwachsenen gedrängt und haben kaum mehr Möglichkeiten, sich selbst und ihre Umwelt ausgiebig zu erspüren, zu erleben, zu begreifen, zu experimentieren und auszuprobieren. Deshalb möchte ich mit dem Kinderyoga den Kids einen Raum geben, wo sie einfach sie selbst sein dürfen. So kann es im Kinderyoga manchmal ziemlich wild, laut und zappelig sein, wenn es das ist, was die Kinder gerade brauchen. Wenn man sie lässt, suchen sie dann auch von ganz alleine den Ausgleich und finden in ihre Ruhe. Auch wenn das nicht so aussehen mag, wie wir Erwachsene uns das vorstellen. Wenn ich zum Beispiel Entspannungsgeschichten erzähle, gibt es Kinder, die ganz ruhig liegen bleiben und sogar die Augen schließen. Andere Kinder wiederum rollen sich auf dem Rücken hin und her, spielen mit ihren Füßen oder setzen sich auf. In den Augen des Erwachsenen sieht das vielleicht „unruhig” aus. Ich lasse sie das wählen, was für sie stimmt, solange es die anderen in ihrer Ruhe nicht stört. Wenn ich dann am Schluss der Stunde frage, was ihnen gefallen hat, bin ich immer erstaunt, dass vor allem diejenigen Kinder, die „unruhig” waren, sagen, dass ihnen die Entspannung am besten gefallen hat. Dann ist es im Kinderyoga wichtig, auch einen Rahmen zu geben, also gewisse „Spielregeln”. Die werden immer zu Anfang besprochen, und es wird auch gemeinsam festgelegt, was passiert, wenn jemand sich nicht an diese Regeln hält.

Worauf muss beim Kinderyoga ganz besonders geachtet werden?

Nathalie: Kinder haben einen natürlichen Drang zu forschen, zu entdecken und zu lernen. Mit Beobachtung und Nachahmung der Umwelt bereiten sie sich ihren Weg. Deshalb ist es im Kinderyoga ganz wichtig, dem Raum zu geben, was gerade sein mag. Es braucht keine Erklärung und Anleitung, wie etwas zu sein hat. Wenn wir einem Kind sagen, es verwandle sich jetzt in eine Katze, stellt es sich sofort auf alle Viere und miaut. Dann ist es vielleicht gerade eine wilde Katze, eine müde Katze oder sogar eine Katze mit nur drei Beinen. Die Form, wie eine Übung ausgeführt wird, spielt also überhaupt keine Rolle. Ich mache etwas vor und die Kinder machen es auf ihre Weise nach und erfinden sogar selbst neue Figuren und Bewegungen. Ich korrigiere nie, außer natürlich etwas ist gefährlich. Aber das ist in all den Jahren noch nie vorgekommen. Die Kinder begeben sich selbst nicht in körperliche Stellungen, die ihnen nicht guttun.

Für wen ist dein Video gedacht?

Nathalie: Das Video ist eher für Schulkinder gedacht und beinhaltet ein kleines Morgenritual, das einen weckenden und aktivierenden Effekt haben soll. Anders als viele meiner Videos ist dies keine Geschichte, sondern einfach eine kleine Anleitung für einen kurzen und knackigen Bewegungsablauf.

Vielen Dank für deine Zeit und das schöne Interview.


Nathalie-Piller_Portrait

NATHALIE PILLER

Nathalie lebt mit ihrem Partner und ihrer Tochter in Freiburg, Schweiz. Sie unterrichtet seit sechs Jahren in ihrem eigenen Studio Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Hatha Yoga. Damit will sie den Menschen einen Impuls geben, ihren eigenen Weg zu gehen. Neben dem direkten Kinderyoga-Unterricht teilt sie auf ihrem YouTube-Kanal selbstkreierte Yoga-Geschichten zum Mitmachen.

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