Faszien - ein verbindendes Gewebe

Faszien - ein verbindendes Gewebe

Ein Gastbeitrag von greenyogashop-Botschafterin Lisa

Was sind Faszien?

Das gesamte Bindegewebe des Körpers wird als Faszien oder einfach als die Faszie bezeichnet, da es den gesamten Körper durchzieht. Alle Muskeln, alle Organe und das gesamte Leitungsbahnensystem des Körpers sind von diesem Fasziennetz umhüllt und durchdrungen. Die Faszien geben all diesen Strukturen die nötige Festigkeit und Elastizität. Da auf diese Weise alle Körperstrukturen miteinander verbunden sind, werden mechanische Kräfte und Spannungen auf und durch den ganzen Körper übertragen.

Welche Aufgaben haben Faszien?

Lange Zeit dachte man, dass Faszien lediglich eine Schutz- und Dämpfungsfunktion für die körperlichen Strukturen haben. Dank modernen Messtechniken kann die Wissenschaft heute nachweisen, dass das Bindegewebe noch weitaus mehr kann: Es beeinflusst den Lymph- und Blutfluss, es kann Entzündungen übertragen und Informationen aufnehmen und speichern. Das Fasziennetz hat viele Nervenrezeptoren, welche die Informationen über Spannungsverhältnisse und Stoffwechselprozesse aufnehmen und an unser zentrales Nervensystem weitergeben. Selbst der bekannte Muskelkater entsteht eigentlich im Bindegewebe, jedoch würde Faszienkater etwas komisch klingen.

Wie wirkt unser Lebensstil auf Faszien?

Unser Alltag ist geprägt von vielen Stressfaktoren (wenig Bewegung, ungesunde Ernährung, Reizüberflutung etc.). Chronischer Stress kann dazu führen, dass sich das Bindegewebe zusammenzieht, verhärtet und verklebt. Evolutionär betrachtet ist das ein sinnvoller Vorgang: In der Steinzeit mussten wir uns bei Stress (Hunger, klimatische Verhältnisse, Feinde) bewegen (fight or flight). Dabei hat sich das Bindegewebe kurzfristig zusammengezogen/verhärtet (u. a. bedingt durch Stresshormone), so dass sich der Muskeltonus erhöhte und die Muskulatur belastbarer und weniger verletzungsanfällig wurde. Diese Reaktion ist in akuten Stresssituationen sinnvoll. Chronischer Stress hingegen führt zu einer dauerhaften Aktivierung unserer Stressantwort. In der Folge leiden wir unter körperlichen Schmerzen, Stoffwechselproblemen und psychischem Stress.

Was können wir dagegen tun?

Wenn wir uns vorstellen, dass sich die Fasern dieses spinnennetzartigen Gewebes aufgrund der genannten Faktoren verdichten und die Faszie an Elastizität verliert, dann müssen wir aktiv daran arbeiten, die ursprüngliche Geschmeidigkeit wiederherzustellen. Und das ist gar nicht so schwer: vielseitige Bewegung, Akupressur, mobilisieren, dehnen und tief durchatmen! So kann altes Gewebewasser abtransportiert werden und frische Flüssigkeit nachfließen, um die Faszien wieder zu bewässern. Der verbesserte Nährstoffaustausch und die Bewegungswärme machen sie gleitfähiger und beweglicher. Also: Auf geht’s zum Yoga!

Yoga – „Fasziantisch“ gut

Jeder Yogastil hat seine Besonderheiten, und diese Vielfalt ist auch das Schöne. Es gibt nicht besser oder schlechter, richtig oder falsch, sondern nur Facetten, Unterschiede und jeder kann selber entscheiden, wo er sich persönlich wohlfühlt. Also auf die Matte, Faszienyoga, los? Oder vielleicht doch mal zum Yin Yoga? Beides! Bei beiden Ausrichtungen stehen auf jeden Fall Prinzipien des myofaszialen Trainings im Vordergrund, was nicht heißt, dass dies bei anderen Yogarichtungen nicht der Fall ist, denn unser Bindegewebe wird bei jeder Yogaeinheit sowieso beeinflusst. Je nach Bindegewebstyp und individuellen Voraussetzungen können die regelmäßigen Einheiten auf der Matte nachhaltig auf allen Ebenen sehr wohltuend sein, auch wenn es sich zwischenzeitlich nicht immer so angenehm anfühlt. Im Faszienyoga wird zunehmend der Bereich des Propriozeptiven Refinements fokussiert. Fließende und geschmeidige Bewegungen in alle Richtungen und das individuelle Erfahren über modifizierte Asanas (Körperhaltungen) geben die Möglichkeit, den Körper neu zu erleben. Auch der Bereich des Fascial Release kann Teil der Stunde sein, wenn mit Zusatzmaterial gearbeitet wird wie Rollen, Bällen oder Triggern, um über Druck von außen (Akupressur) auf das Gewebe einzuwirken. Oft werden Faszienyoga und Yin Yoga synonym verwendet. Beim Yin Yoga allerdings geht es um eine tiefe Entspannung des Gewebes und die damit verbundene Stimulierung des parasympathischen Nervensystems. Über eine bewusste ruhige Atmung wird eine Position sehr lange (ca. 3-5 Minuten, manchmal auch länger) gehalten, um die Dehnung langsam zu intensivieren. Der Fokus liegt darauf, in das Asana sozusagen hinein zu entspannen, ohne dass Spannung oder Druck entsteht: Ein „Loslassen“, eine physische und mentale Entspannung in der jeweiligen Position.

Man kann es gar nicht anders resümieren: Yoga ist so viel mehr – in jedem Fall aber„fasziantisch“ gut.


Portrait_Lisa

greenyogashop-Botschafterin

LISA

Lisa ist Sportwissenschaftlerin und Lifestyle-Coach mit besonderem Interesse an den Themen Ernährung, Bewegung und Stress. Sie ist eine langjährig erfahrene Ausbilderin und Trainerin in Group Fitness und Personal Training und widmet sich derzeit der Konzeptevaluation von holistischen Gesundheits- und Fitnesskonzepten im Sporttourismus.

Bitte gib die Zeichenfolge in das Textfeld ein.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

  • Schöner Beitrag, der aktuelle Erkenntnisse miteinbezieht

    Ich finde, dass dieser Beitrag die sinnvolle Verbindung zwischen jahrtausendelange Erfahrung und Forschungserkenntnissen beleuchtet. Besonders der Abschnitt "Wie wirkt unser Lebensstil auf Faszien?" enthält in knapper Form viele wichtige Informationen, die es sich lohnt, zu vertiefen.

  • Super Einführung in den Bereich Faszien

    Die Autorin schafft es, das komplexe Thema Faszien mit sehr guten Bespielen in kurzer Form zu erklären, ohne dabei den wissenschaftlichen Aspekt zu verlieren. Zudem wird direkt im Artikel erläutert, welche wichtige Rolle die Faszien mit dem Wohlbefinden zu tun haben und was dafür getan werden kann.