Yoga am eigenen Leib

Yogalehrer Pascal de Lacaze-Duthiers aus Berlin beschreibt, wie er seine eigene Yogapraxis erlebt und was die täglichen Yoga-Übungen für ihn bedeuten.

Am Anfang war kein Om Ich stehe am vorderen Ende der Yogamatte und mache mich bereit für den Sonnengruß. Wenn ich für mich alleine praktiziere, stimme ich mich ein ohne ein gesungenes Om. Lediglich die Füße auf dem Boden und den Atem spüren. Dann: Vorbeuge. Ich nehme meinen Rücken wahr, die Rückseiten meiner Beine. Am Anfang der Praxis merke ich deutlich, wie wenig gedehnt meine Muskeln noch sind. In der Vorbeuge: Ich beuge die Knie abwechselnd und erfahre so die ersten wohltuenden Dehnungen. Mit Yoga tue ich mir gleichzeitig etwas Gutes und lerne meinen Körper und Geist besser kennen. Bei jeder Bewegung nehme ich bewusst wahr: Wie fühlt sich das an? Möchte ich tiefer in die Haltung? Ich versuche immer den Punkt zu finden von „sthira sukham asanam“: Die von Patanjali in den Yoga Sutras beschriebene Balance von Stabilität und Wohlbefinden. Von Kraft und „Süße“ (Sanskrit gehört zur indogermanischen Sprachfamilie und die Ähnlichkeit von „sukha“ und Zucker ist sehr deutlich). Bevor ich tiefer in bestimmte Yogahaltungen gehe, wärme ich meinen Körper auf mit dem Sonnengruß, einer dynamischen Abfolge von Asanas. Langsam beginnend und nach einigen Runden etwas schneller werdend. Ich habe meine Ausbildung in der Sivananda-Tradition gemacht. Dort wird der Sonnengruß schnell geübt – zur Aktivierung des Kreislaufs. Mir tut das gut.

Der Atem führt „Die Bewegung folgt der Atmung“. Das sage ich meinen Schülern. Und das praktiziere ich auch selbst. Es bedeutet, dass der Atem tief und gleichmäßig geht und die Bewegung dem Atemfluss folgt. Im Sonnengruß wird das sehr schön deutlich: Einatmen, Arme nach oben. Ausatmen, Vorbeuge. Einatmen, rechtes Bein weit nach hinten für die Sprinterstellung. Ausatmen, linkes Bein ebenfalls nach hinten für den abwärtsschauenden Hund. Einatmen, rechtes Bein nach vorne, Sprinterstellung. Ausatmen, linkes Bein ebenfalls nach vorne für die Vorbeuge. Einatmen, aufrichten, Arme weit nach oben. Ausatmen, Arme sinken lassen. Man ist wieder im Stehen angekommen. Die Atmung ist zentral im Yoga. Geht sie tief und fließend, wirkt Yoga intensiver. Wenn ich länger in einer Asana bleibe, die der Dehnung dient, spüre ich bei jeder Ausatmung wie der Dehnungsschmerz nachlässt und die Muskeln sich mehr und mehr entspannen. Sthira sukham asanam. Die Welle reiten Eine in sich geschlossene Yogapraxis ist für mich wie eine Welle: Sie baut sich am Anfang sanft auf, bei mir meistens mit langsameren Sonnengrüßen. Dann wird sie kraftvoller mit schnelleren Sonnengrüßen. Die Muskeln werden warm. Auf dem Höhepunkt der Yogastunde gehe ich in anspruchsvollere Asanas wie Kopfstand, Kriegervariationen, Unterarmstand, Handstand, Rad. Anschließend geht es dann Richtung Erde. Zunächst sitzende oder auf dem Bauch oder Rücken liegende Haltungen mit tiefen Dehnungen. So wird die Yogastunde langsam rund und die Welle gleitet aus in die Endentspannung. In Savasana. Auch hier: Tiefe Atemzüge. Mit jeder Ausatmung lasse ich meinen Körper schwerer werden und in die Erde sinken. Wenn der Geist in Savasana wandert, bringe ich ihn sanft zurück zur Atmung.

Der fokussierte Geist Nach der Entspannung sitze ich manchmal noch ein paar Minuten auf einem Meditationskissen und wiederhole innerlich ein Mantra. Das gelingt meistens ganz gut, denn nach der Yogapraxis ist der Geist angenehm fokussiert und nicht mehr so sprunghaft von einem Gedanken zum nächsten jagend. Wenn ich dann aufstehe, gehe ich alles etwas ruhiger und achtsamer an. Die Welt um uns herum ist stressig genug. Yoga hilft mir definitiv einen Gang runterzuschalten. Was bedeutet Yoga für Dich? Was gibt Dir Deine Yogapraxis? Das greenyogashop-Team freut sich auf Deine Kommentare!

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