Mein Weg zum Yoga: Überzeugung einer Skeptikerin

Mein Weg zum Yoga: Überzeugung einer Skeptikerin 

Ein Beitrag von Silke vom greenyogashop-Team

Von Zweifeln, Vorurteilen und kleinen Missgeschicken

Ich bin keine Yogini; jedenfalls nicht, wenn man darunter die athletischen Kopfstandakrobatinnen mit Gummiknochen und ohne Körperfett versteht, die sich täglich in der perfekten Instagram-Welt präsentieren. Ich kann keinen Kopfstand und komme im herabschauenden Hund auch nach Jahren immer noch nicht mit den Fersen auf die Matte. Aber: Ich liebe es, Yoga in dem mir möglichen Rahmen auszuüben. Ich weiß, wie Yoga meine Rückenschmerzen gelindert und sich positiv auf meine körperliche und geistige Haltung ausgewirkt hat. Ich kenne das Gefühl der absoluten Tiefenentspannung nach einer Yogastunde; und wenn es das ist, was eine Yogini ausmacht – dann zähle ich mich sehr wohl dazu.

Aller Anfang ist schwer

Das erste Mal besuchte ich vor vielen Jahren einen Yogakurs in einem Fitnessstudio. Meine Ärztin hatte mir aufgrund von chronischen Rückenschmerzen in relativ jungem Alter dazu geraten, und per Zufall fand ich mich bei meinem ersten Besuch passenderweise in einer Yoga-für-den-Rücken-Stunde wieder. Inmitten der vielen älteren Rückengeplagten fühlte ich mich direkt wohl, und die mir völlig neuen, sanften Bewegungen taten mir spürbar gut. Wow, dachte ich, das muss ich unbedingt weitermachen. Guter Dinge besuchte ich kurz danach wieder einen Yogakurs – ohne darauf zu achten, welche Lehrerin dort was genau lehrte, da ich ja noch keine Ahnung hatte, dass es überhaupt unterschiedliche Yogastile gibt. Natürlich landete ich prompt in einer Vinyasa-Stunde, in der ich offenbar die einzige Neue war; denn die Lehrerin hielt sich nicht mit langen Erklärungen auf, sondern legte direkt mit gefühlt 25 Sonnengrüßen los, von deren Existenz ich just in diesem Moment überhaupt erfuhr. Während ich also bemüht war, nach vorne zu schauen, um mitzubekommen, was genau die „kleine Kobra“ ist und wie das mit dem „halben Weg nach oben“ gemeint war, und während ich gleichzeitig versuchte, die Haltungen dabei mit nach vorn gedrehtem Kopf zumindest ansatzweise und mehr schlecht als recht nachzuahmen, bewegten sich alle anderen gekonnt und synchron mit der Lehrerin mit, als wollten sie an mir ein Oberyogadeppendenkmal statuieren. Das muss wohl der Augenblick gewesen sein, in dem ich dem Yoga vorerst wieder abschwor und zum Pilates wechselte.

Aufgeben? Kommt nicht in Frage!

Irgendwie wollte ich das mit diesem Yoga aber doch nochmal ausprobieren und stellte schließlich mit Hilfe von Online-Yogakursen fest, dass – wie immer – wer lesen kann, klar im Vorteil ist: Dass es verschiedene Yogastile für verschiedene Bedürfnisse gibt und dass Vinyasa definitiv vorerst keines meiner Bedürfnisse erfüllen würde, zum Beispiel. Dagegen fand ich ein reiches Angebot an Rückenkursen, die zunächst viel Spaß machten und mir gut taten. Ich pickte mir meine Lieblingskurse heraus, konnte nach einiger Zeit aber schon die Anweisungen mitsprechen; und irgendwie fehlte mir auch ein(e) physisch anwesende(r) Yogalehrer(in), der oder die mir sagte, ob ich das, was ich da tat, überhaupt richtig machte.

Was lange währt...

Also suchte ich mir endlich ein richtiges Yogastudio, in dem klassisches Hatha Yoga angeboten wurde – sogar für den Rücken, yay! Allerdings fürchtete ich nach kurzer Zeit, versehentlich doch in eine esoterische Sekte geraten zu sein, da die Yogalehrerin plötzlich anfing, laut mit den Schülern „Oooooommmmmmm“ und „Shantiiiiii“ zu singen und zu monotoner Mantramusik dazu aufforderte, im Schneidersitz mit dem Oberkörper fast schon obszön „um die eigene Mitte“ herumzukreisen. Sufi-Kreise, nannte sie das; ich änderte den Namen insgeheim für mich zu „Besoffski-Kreise“ und beschloss, mir ein anderes Yogastudio zu suchen, sobald meine Kurskarte aufgebraucht war. Aber was soll ich sagen – irgendwie merkte ich plötzlich, dass ich immer tiefenentspannt vom Yoga nach Hause kam und danach keine Probleme mehr hatte einzuschlafen, wie ansonsten sehr häufig. Außerdem begann ich tatsächlich Gefallen zu finden an den Mantragesängen, die ich zugegeben zunächst etwas herablassend abgeurteilt hatte; aber als die Yogalehrerin irgendwann ein Mantra abspielte, dessen sich immer wiederholende Phrase in meinen Ohren klang wie Oh mein Wasserturm, war plötzlich mein Interesse geweckt. Ich konnte nicht anders, als dem Gesang genau zu folgen und zu versuchen, den tatsächlichen Text herauszuhören. Da ich aufgrund mangelnder Sanskritkenntnisse natürlich nicht dahinter kam, sang ich in Gedanken fortan immer die Wasserturm-Variante mit und erfuhr so zusätzlich zur meditativen Entspannung auch noch die positive Wirkung von Musik, der ich ohnehin immer schon stark verbunden war. Was ich vorher als monoton empfunden hatte, war nun einfach nur noch wunderbar beruhigend und entspannend. Ich lernte, wie erfüllend und unglaublich meditativ es ist, sich den Sufi-Kreisen einfach hinzugeben. Ich erfuhr, dass es sich bei Mantras und co um Elemente aus dem Kundalini Yoga handelte und dass mein Kurs kein reiner Hatha, sondern ein integraler Yogakurs war. Und das Wichtigste: Ich baute alle meine Vorurteile ab und bin meinem Yogastudio selbstverständlich treu geblieben. Und auch, wenn ich zumindest das „Om Shanti“ immer noch nur in meinem Kopf mitsinge, weiß ich jetzt, dass Yoga mir soviel mehr zu bieten hat als nur das Lindern meiner Rückenschmerzen, das mich anfangs zu ihm gebracht hat. 

Wie Yoga mich heute im Alltag begleitet

Wenn ich nun auf den Bus wartend merke, dass ich in eine krumme Haltung verfalle, höre ich im Kopf jemanden sagen „Schultern weg von den Ohren“ oder „Scheitelpunkt zieht nach oben“ und korrigiere mich sofort. Wenn ich nicht einschlafen kann, beginne ich einfach, mich auf meinen Atem zu konzentrieren, ganz bewusst und achtsam tief ein- und auszuatmen – bis der Schlaf praktisch von selbst kommt. Dass ich immer noch keinen Kopfstand kann und beim herabschauenden Hund nicht mit den Fersen auf den Boden komme – so what. Ich mache das schließlich für mich und nicht für Instagram. Und wenn ich mich in meinem Yogastudio umschaue, dann glaube ich geht es den meisten dort wie mir. Vielleicht erkennt sich ja auch der oder die ein oder andere unter euch ebenfalls wieder?


Silke

greenyogashop-Team

SILKE

Silke vom greenyogashop-Team kümmert sich um alle Kundenbelange, füllt unsere Seite mit informativen Texten und ist immer auf der Jagd nach falschen Kommata. Inzwischen hat sie übrigens herausgefunden, dass sich hinter dem „Wasserturm“-Song das Mantra Om Benzo Sato Hung verbirgt – nur für den Fall, dass du dir selbst ein Bild davon machen möchtest, was dort tatsächlich zu hören ist.

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