Schritt für Schritt von der Vision zur Tat

Schritt für Schritt von der Vision zur Tat

Ein Interview mit Hanna Wedekind, CEO & Co-Gründerin von yōyoka

Friederike-Hanna_yoyoka

Friederike Stoffregen & Hanna Wedekind

YoginiS, Co-Gründerin von yōyoka

yōyoka bedeutet so viel wie „schrittweise“. Diesem Motto folgend versuchen die Gründerinnen des gleichnamigen Labels, Hanna Wedekind (re.) und Friederike Stoffregen (li.), Schritt für Schritt ihre Vision einer nachhaltigen Zukunft in die Tat umzusetzen. Dass sie sich dabei auf einem guten Weg befinden, beweist ihre Yogamattenkreation „Mindful Mate“, die vollständig aus dem Nachhaltigkeitsgedanken heraus geschaffen wurde und aktuell auf dem Markt einzigartig ist. Warum das so ist und mit welchen Schwierigkeiten die Gründerinnen auf ihrem Weg zu kämpfen haben, davon berichtet uns CEO Hanna Wedekind im Interview.

Liebe Hanna, wie ist die Idee entstanden, gemeinsam mit Co-Founderin Friederike Yogamatten aus recycelten PET-Flaschen zu kreieren?

Hanna: yōyoka ist durch Zufall geboren. Mich hat die Tatsache umgetrieben, dass wir Yoginis größtenteils auf Plastikyogamatten praktizieren, die so gar nicht zu unserem bewussten Mindset passen. Als ich angefangen habe, mich näher mit Thema zu befassen, habe ich schnell festgestellt, dass fast alle bereits etablierten Yogamatten-Brands mit der Formulierung „nachhaltig" werben, aber immer noch Neuplastik oder nur einen minimalen Recyclinganteil enthalten oder viel zu große Mengen nachwachsender Rohstoffe nutzen. Das ist problematisch, da es sich zwar um natürliche Ressourcen handelt, sie allerdings häufig energieintensiv geerntet und verarbeitet werden. Zu der Zeit wurde ich mit einer Schuhwerbung konfrontiert: „Dieser Schuh besteht aus XY recycelten PET-Flaschen.“ Daraus schlussfolgerte ich: Wenn die eine Gummisohle aus recycelten PET-Flaschen herstellen können, warum dann nicht auch Yogamatten? Nach meinen ersten Recherchen zum Thema PET-Recycling – „Wo funktioniert die Infrastruktur noch nicht gut? Welches Land ist technisch aber schon weit vorn und hinsichtlich der Arbeitsbedingungen und Menschenrechte ein Vorreiter?“ – stieß ich auf Taiwan. Meine Präsentationen vor Ort stießen auf viel Offenheit und Kooperationsinteresse. Allerdings hatte keiner der von mir besuchten sieben Produzenten eine Lösung parat, wie man aus PET-Flaschen weiches Mattenmaterial herstellen könnte. Meine sehr naive Idee und meine offensichtlich zu geringe Materialrecherche hatten schlussendlich dennoch etwas Gutes: Wir saßen wild diskutierend zusammen, und geboren war unser ‚Mindful Mate‘: Die weltweit erste Yogamatte mit einem Vlieskern aus 26-28 recycelten PET-Flaschen, überzogen mit einer dünnen Schicht Naturkautschuk für den perfekten Grip und ohne Hautkontakt mit Plastik. Kurz vor dem Crowdfunding 2019 habe ich Friederike kennengelernt, die sich direkt in die Idee verliebt hat und mittlerweile das grafische Herz von yōyoka ist.

Was bedeutet yōyoka, und was ist das Besondere an den Yogamatten?

Hanna: Unser Mindful Mate ist die weltweit erste und einzige Vlieskernmatte. Durch den Vlieskern hat die Yogamatte eine optimale Dämpfung, sie ist leicht, flexibel und gut isoliert. Das Vlies ist zu 100% recycelt und zertifiziert mit dem Global Recycled Standard. Für den optimalen Grip wird das Vlies mit einer dünnen Naturkautschukschicht überzogen. So verwenden wir 0% Neuplastik, nutzen einen maximalen Recyclinganteil und sparen unsere natürliche Ressourcen. Unsere Mindful Mates sind von Peta „vegan aproved“. Mit verschiedenen Qualitätstest wurde sichergestellt, dass die Matte keinerlei Schadstoffe enthält und wirklich langlebig ist. Für jedes verkaufte Produkt unterstützen wir eine nachhaltige Initiative oder ein nachhaltiges Projekt. Über unsere Mindful Mates fördern wir beispielsweise Gili Eco Trust, eine NGO der indonesischen Insel Gili Travangan, die stark unter tourismusbedingter Umweltverschmutzung durch Plastik leidet. Wir haben den Namen vom japanischen „jojo ka“ abgeleitet, was „schrittweise“ bedeutet. Wie im Yoga, wo man sich Schritt für Schritt weiterentwickelt, tun wir das auch bei unseren Produkten, um eine möglichst nachhaltige Zukunft mitgestalten zu können.

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Kannst du uns einen Einblick in den Entwicklungsprozess der Marke und der Yogamatten geben? Gab es auf dem Weg zum fertigen Produkt Hürden, die ihr meistern musstet?

Hanna: Im Entwicklungsprozess der Marke und unser Produkte lernen wir immer wieder Neues dazu. Das kann auch mal bedeuten, dass wir unsere ursprünglichen Pläne über den Haufen werfen müssen. Wir wollten beispielsweise für die Naturkautschukschicht unseres Mindful Mates gern recycelten Naturkautschuk verwenden. Allerdings mussten wir lernen, dass Naturkautschuk nur recycelbar ist, indem man ihn zu Pulver zermahlt und in neuen Naturkautschuk streut. Das eingestreute Recyclat macht die Matte schwerer und vermindert die Qualität. Zusätzlich weiß man nie genau, was für Additive oder Schadstoffe im Recyclat enthalten sind. Daher haben wir uns bei unserem Mindful Mate entgegen unser ursprünglichen Pläne bewusst gegen den Einsatz von recyceltem Naturkautschuk entschieden. Aktuell werden wir außerdem mit den ökologischen und sozioökonomischen Problemen des Naturkautschukanbaus konfrontiert. Kautschukbäume wachsen fast ausschließlich in Monokulturen, es kommen Pestizide zum Einsatz, und es werden oft keine fairen Löhne gezahlt. Kautschukbäume stammen ursprünglich aus dem Amazonas-Regenwald, werden heute aber hauptsächlich in Thailand und Indonesien angebaut, meist von Kleinstbetrieben. Unser Ansatz, diese so genannten „Smallholder Farmers“ bei einem nachhaltigeren Kautschukanbau zu unterstützen, gestaltet sich gerade herausfordernd, da die langen und komplexen Lieferketten nur schwierig zurückzuverfolgen sind. Wir machen gerade die Erfahrung, dass wir eigentlich vor Ort sein müssten, um den Prozess zu beschleunigen und etwas bewirken zu können. Das ist in unserem Stadium und mit unseren begrenzten finanziellen Mitteln schwierig, zeigt uns aber neue Ziele auf und dass wir damit verbunden sogar einen systematischen Wandel anstoßen können.

Wieso arbeitet ihr mit einer Produktionsstätte in Taiwan, und wie sieht die Zusammenarbeit aus?

Hanna: Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in Asien kaum funktionierende Recyclinginfrastrukturen. Der meiste Plastikmüll gelangt durch die zehn großen asiatischen Flüsse in unsere Ozeane. Deswegen möchten wir zum einen das Plastikproblem hier angehen. Zum anderen wachsen Kautschukbäume nur in Asien und in Teilen Afrikas. Für uns macht es Sinn, dort zu produzieren, wo der Naturkautschuk herkommt, denn die Leute vor Ort kennen sich mit der Verarbeitung aus. Im Gegensatz zu den anderen asiatischen Ländern liegt Taiwan im Ranking der amfori Business Social Compliance Initiative bezüglich Arbeitsbedingungen und Menschenrechte sehr weit vorn – knapp hinter den USA und vor Frankreich, Polen und Spanien. Es ist doppelt so gut bewertet wie China und bietet damit sehr gute Voraussetzungen für unsere Produktion. Unsere Produktionsstätte ist ISO 14001- und ISO 9001-zertifiziert – es gibt ein Qualitätsmanagement, Produktionsabfälle werden recycelt und ein Zero-Waste-Produktionsplan verfolgt. Versicherungsschutz, Altersvorsorge, Gesundheitsversorgung und Weiterbildung werden gewährleistet, unterstützt und offengelegt.

Zusammensetzung_Mindful-Mate-Kopie

Ihr habt es euch zur Aufgabe gemacht, Konsum nachhaltig zu denken und langfristig kreislauffähig zu gestalten. Was können wir in Zukunft noch von yōyoka erwarten?

Hanna: Wir haben schon die nächsten funktionalen und nachhaltigen Produkte in der Pipeline, wie beispielsweise yōyoka Fashion aus innovativen, nachhaltigen Materialien und weitere Yoga-Accessoires. Außerdem sind wir gerade dabei, ein Forschungsprojekt anzumelden, um unsere neue Mattenvariante zu realisieren.

Wie spiegelt sich der Nachhaltigkeitsgedanke in deinem Leben wider? Was sind deine Werte als Unternehmerin?

Hanna: Ich glaube, dass es allerhöchste Zeit ist, dass wir angesichts zunehmender globaler Erwärmung, der Umweltverschmutzung und der Verknappung nutzbarer Ressourcen etwas verändern müssen. Ich freue mich, dass ich mit meinem Mindful Mate etwas dazu beitragen kann. Um etwas verändern zu können, müssen wir in meinen Augen selbst im Gleichgewicht sein und mit unseren persönlichen Ressourcen nachhaltig haushalten. Vor allem in einer so schnelllebigen und herausfordernden Zeit, wie wir sie gerade durchleben. Dabei hilft mir Yoga sehr. Ich versuche ansonsten, in meinem Alltag Neuplastik zu vermeiden und bewusste Konsumentscheidungen zu treffen. Ich denke, man kann nicht alles richtig machen, aber wir sollten einfach irgendwo anfangen. Auch kleine Handlungen und Konsumentscheidungen im Alltag haben in der Masse eine große Wirkung. Mit yōyoka möchte ich nachhaltige, ästhetische und funktionale Produktalternativen entwickeln und vor allem auch Aufklärung leisten – denn ich glaube, eine Bereitschaft, etwas zu verändern, ist bei vielen vorhanden. Bei all den „Marketingaussagen“ ist es nur schwierig zu durchblicken, was wirklich nachhaltig ist. Bei der Auswahl unserer Produktions- und KooperationspartnerInnen lege ich großen Wert auf ökologische und soziale Nachhaltigkeit. Neben Transparenz ist mir besonders wichtig, dass wir uns und unsere Produkte immer wieder hinterfragen und im Austausch mit der Forschung nach immer sinnigeren, nachhaltigeren Lösungen suchen, dass wir in Bezug auf Materialien und Kundenverantwortung visionär denken und uns stetig weiterentwickeln.

Vielen Dank für deine Zeit und das schöne Interview.


Hanna_Co-Founder_Portrait

HANNA WEDEKIND

Hanna studierte ursprünglich auf Lehramt, wurde dann aber Unternehmerin aus Überzeugung. Mit ihrem Label yōyoka wollte sie eine wirklich nachhaltige Yogamatte erschaffen als Alternative zu Matten, die zwar als nachhaltig angepriesen werden, es aber bei genauerem Hinsehen nicht wirklich sind. Hanna begeistert sich für Design, Urban Lifestyle und Nachhaltigkeit und entwickelt mit Leidenschaft nachhaltige und funktionale Produktalternativen, die gleichzeitig bei der Lösung aktueller Probleme helfen.

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